Lingener Tagespost vom 7. November 2009 el Lengerich. Von rund 3400 bis 2800 vor Christus lebten in der sogenannten Trichterbecherkultur bereits Menschen in und um Lengerich. Diese Feststellung ist die wesentliche Erkenntnis einer archäologischen Untersuchung am Rande der heutigen Raiffeisenstraße in Lengerich. Die Ergebnisse der umfangreichen Grabungen wurden in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates vorgestellt.
Die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes an der Raiffeisenstraße machte die archäologischen Forschungen erforderlich, die vom Archäologen Falk-M. Näth durchgeführt wurden. Entdeckt wurde dabei ein Einzelgrab mit vorgelagerter Pfostenumfassung, sowie zwei fragmentierte Hallenhäuser.
Archäologisch konnten insgesamt 222 Befunde, Pfosten- und Siedlungsgruben sowie mehrere Gräben erfasst werden. Eindeutig ist nach Darstellung von Näth eine Wandungsscherbe mit Tiefstich-Verzierung der Trichterbecherkultur zuzuweisen.
Kräftig gegraben wurde von den Archäologen auch unter dem Marktplatz. Bei den Tiefbauarbeiten im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen kam ein spätmittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Brunnen von zirka 160 Zentimeter Durchmesser und über vier Meter Tiefe zum Vorschein. Dieser nahm topografisch Bezug zur evangelischen Kirche.
Da die Gefahr bestand, dass der Brunnen durch die Arbeiten an den Versorgungsleitungen in den oberen Lagen zerstört werden könnte, wurde der Brunnen eingehend untersucht, vermessen und dokumentiert.
Durch eine moderne 3D-Vermessung, die von Volker Platen durchgeführt wurde, gab es bereits am folgenden Tag konkrete wissenschaftliche Ergebnisse, sodass die Bauarbeiten am Marktplatz zeitlich nicht beeinträchtig wurden. Das Brunnenmauerwerk zeigte nach Darstellung von Falk Näth frappierende Ähnlichkeit mit der oberen Bauphase des Kirchturms der evangelischen Kirche. Aufgrund der Parallelen lasse sich eine Datierung des Brunnenursprungs auf den Übergang vom Spätmittelalter zur frühen Neuzeit, etwa vom beginnenden 14. Jahrhundert bis zum beginnenden 16. Jahrhundert, ansetzen, so der Wissenschaftler.
Wie Samtgemeindebürgermeister Matthias Lühn auf Nachfrage bestätigte, sollte der Brunnen auf alle Fälle der Nachwelt erhalten bleiben. Er wurde deshalb entsprechend präpariert und so verfüllt, dass er zu jeder Zeit wieder offengelegt werden könne.
Durch entsprechende Gestaltungselemente im Pflaster soll die Lage des Brunnens im neugestalteten Marktplatz im Zentrum von Lengerich gekennzeichnet und hervorgehoben werden.
Dank sagte Bürgermeister Gerhard Wübbe abschließend den Archäologen dafür, dass durch den Einsatz modernster Dokumentationstechnologie die Sanierungsarbeiten im Bereich des Marktplatzes nicht verzögert wurden. Ein herkömmliches Verfahren hätte sicherlich mehrere Wochen die Arbeiten unterbrochen, betonte er.
Wie geht es mit der Sanierung weiter? Darüber waren sich die Ratsmitglieder schnell einig. Die Arbeiten sollen 2010 in der Mittelstraße und 2011 in der Kirchstraße fortgeführt werden. Die Anlieger sollen frühzeitig in die weiteren Planungen einbezogen werden.
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