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Lingener Tagespost vom 20. Juni 2010
Zweimal der Traumschnitt 1,0
hjr Handrup.
Einen solchen Abschied für einen Abiturjahrgang gab es in Handrup noch nie: Am Ende des Festaktes überreichten die „Leoninum Harmonists“ noch einen „musikalischen Blumenstrauß“ an den mit 126 Schülern größten Abiturjahrgang in der Geschichte des Gymnasiums. Alle zur Prüfung angetretenen Schüler hatten diese auch bestanden. Zweimal gab es den Traumnotenschnitt 1,0.
Das Quintett, dem neben Schulleiter Franz-Josef Hanneken und Pater Rektor Olav Hamelijnck die Lehrer Benno Hüer und Johannes Leifeld sowie Antonius Kuiter aus den Reihen der Eltern angehören, erntete fürseine Darbietungen lang anhaltenden Applaus und setzte einen Glanzpunkt hinter eine Verabschiedung, die mit einem feierlichen Dankgottesdienst in der Klosterkirche ihren Auftakt genommen hatte.
„Prüfen und erkennen“
Schulseelsorger Pater Levi dos Anjos Ferreira ging in seiner Predigt auf das Evangelium von den anvertrauten Talenten ein und erklärte, dass damit mehr gemeint sei als die gemeinhin angenommen Fähigkeiten eines Menschen: „Es wird damit auch auf die Eigenschaften verwiesen, die Paulus im zwölften Kapitel des Römerbriefes anspricht, beispielsweise sich nicht der Welt anzugleichen, sondern zu prüfen und zu erkennen, was der Wille Gottes ist.“
Für Schulleiter Franz-Josef Hanneken bot der Festakt die passende Gelegenheit, „der Wahrheit die Ehre zu geben.“ Wahrheit sei eine Eigenschaft von Urteilen. Nicht alles, was richtig sei, sei allerdings auch wahr. Hanneken verdeutlichte dies am Beispiel einer geschenkten Blume. Wer eine Blume geschenkt bekomme, bedanke sich nicht „für die Biomasse“. Der Geschenkcharakter der Blume sei aber auch nicht bloße Zusatzinformation zur Teilwahrheit Biomasse. Vielmehr sei der Blick der Wahrheit „der Blick der wohlwollenden Liebe“. Wahrheit, Achtsamkeit und Behutsamkeit gehörten untrennbar zusammen, so der Schulleiter. Dabei gehe es nicht darum, „fünf gerade sein“ zu lassen, sondern „um den Blick auf das Wesentliche und Eigentliche als gemeinsame Aufgabe, sich mit dem besseren Ich im anderen zu verbünden, um gemeinsam Mensch zu werden“. Wahrheit sei „das Dasein von etwas oder jemandem“, Dasein sei aber immer auch das „Dasein-für“. Wenn Freundschaft, so Hanneken, nicht mehr wäre als die hohe Wahrscheinlichkeit, im Notfall Hilfe zu erwarten, begegnete einem kaum ein „wahrer Freund“. Entschiedenheit sei gefragt, das Leben wesentlich Antwort. Ohne diese „antwortende Entschiedenheit“ blieben nur Interessen, aber es gäbe keine wirkliche Freiheit. Wahrheit, erklärte der Schulleiter, erkenne man nicht nur mit der Vernunft, sondern, wie schon Pascal gesagt habe, mit dem Herzen. „Für Christen ist die Wahrheit ein Pseudonym für Jesus, unter dessen Namen sich das Leoninum gestellt hat.“ So wünschte er dem Abiturjahrgang für die Zukunft Offenheit und Empfänglichkeit für die Wahrheit dieser Welt.
Sebastian Grave, der für den Abiturjahrgang sprach, stellte den Gedanken der Gemeinschaft, die man erlebt habe, in den Mittelpunkt. Er überreichte Hanneken einen symbolischen Scheck in Höhe von 500 Euro für die Schulhofneugestaltung. Für die Elternschaft betonte Andrea von Haugwitz, dass das Leoninum ein Ort sei, an dem nicht nur Wissen vermittelt werde, „sondern hier werden diese auch als Menschen wirklich angenommen“.
Für die Schülerschaft gratulierte Julia Moß der Abiturientia. Sie zog dabei Parallelen zwischen der Fußballweltmeisterschaft und dem bestandenen Abitur.