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Lingener Tagespost 28. September 2009

Von Mike Röser
Gersten.
Mittendrin stand sie nach dem offiziellen Teil: Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauenfußball-WM 2011. Gekommen war sie, um Martina Fennen von Victoria Gersten als erfolgreichste Torschützin der Zweitliga-Saison 2008/09 zu ehren. Nun ließ sie es sich nicht nehmen, ein wenig mit Fennen und Co. zu feiern.

Eine Flasche Sekt hatte Fennen besorgt, und sich sogleich nach Abpfiff der Zweitliga-Partie einen kleinen Anpfiff von Trainerin Maria Reisinger eingeheimst: kein Alkohol im Trikot. Jones intervenierte, übernahm kurzerhand die Strafe für die ganze Mannschaft, die noch in voller Montur auf dem Rasen stand. So präsentierte sich die Weltmeisterin und als Kaiserin des Frauenfußballs Bezeichnete ebenso volksnah und bodenständig, wie sie sich kurz zuvor bei der Pressekonferenz vorgestellt hatte: „Ich bin die Steffi Jones.“
Fröhlich und unkompliziert, so zeigte sich Jones in Gersten. Geduldig stand sie für Fotos und Autogramme bereit. Sie lächelte, scherzte, plauschte mit Spielerinnen und Ehrengästen wie Hubert Börger (Vorsitzender NFV-Kreis Emsland) und Eugen Gehlenborg (Präsident Norddeutscher Fußballverband). Und sie erklärte, warum ihr es wichtig ist, Ehrungen wie die von Fennen (zwölf Saisontore 2008/09) – gerade im Vorfeld der WM 2011 – selbst zu übernehmen: „Wir wollen zeigen, dass wir unsere Vereine nicht vergessen; auch ihr seid WM-Botschafter.“

Die Victoria hatte liebevoll den Auftritt der „Kaiserin“ vorbereitet. So überreichten Grundschüler Jones eine selbst gebastelte Wimpelkette, die – so versprach die Beschenkte – bald ihr Frankfurter Büro zieren wird. Eine kleine Werbung für das Emsland; wie Börger ohnehin die Werbewirkung des Frauenfußballs betonte: „Nachdem der SV Meppen nicht mehr so erfolgreich ist, ist es nun die Victoria aus Gersten, die das Emsland bundesweit bekannt macht.“

Steffi Jones ehrt Martina Fennen



Lass dich drücken: Locker und unkompliziert ehrte Steffi Jones (r.) Martina Fennen als beste Zweitliga-Torschützin der Vorsaison. „Zwölf Tore, sehr geil“, sagte die „Kaiserin“. Foto: Leißing


Reisinger-Elf kombiniert, aber verliert 1:4

Von Mike Röser
Gersten.

Aufgeräumt, fast zufrieden: Wie eine Trainerin, deren Mannschaft soeben 1:4 (0:2) daheim verloren hat, wirkte Maria Reisinger von Victoria Gersten nicht. Ihre Mannschaft sei in manchen Szenen gegen Bundesliga-Absteiger Herforder SV zu brav gewesen, sei mit viel Respekt in die Partie der 2. Fußball-Bundesliga gegangen. „Ich muss meiner Mannschaft aber ein Kompliment machen“, sagte Reisinger. „Sie hat gut mitgespielt.“

Dass ihr Team spielte und sich nicht gegen den Favoriten, in dem Reisinger „eine fertige Bundesliga-Mannschaft“ sieht, hinten reinstellte, war auch Verdienst der Trainerin. Selbst nach dem 0:2 (11.) forderte Reisinger von außen spielerische Lösungen.

Früchte trug diese Herangehensweise gegen die starken Gäste besonders nach dem Seitenwechsel. Zu dem Kombinationsfußball, den in der Zentrale Sina Tepe, Sarah Sieksmeyer und Jana Kieras initiierten, gesellte sich nunmehr auch aggressives Pressing. Herford zeigte sich anfällig, verlor den Ball vor dem eigenen Sechzehner, und die eingewechselte Sandra Reisinger bedankte sich mit einem Schuss aus 14 Metern mit dem 1:2 (51.).

Doch zu mehr reichte es für Gersten nicht. Zu stark zeigte sich der Bundesliga-Absteiger, dessen Ziel die sofortige Rückkehr ins Oberhaus ist. Und zu wackelig präsentierte sich die Victoria-Defensive, insbesondere bei hohen Bällen – wie beim 0:1 (7.) und 1:3 (56.). Reisinger nahm es gelassen, ebenso das zweite Tor von U-20-Nationalspielerin Marie Pollmann zum 1:4 (83.) nach toller Kombination. „Herford ist nicht unser Maßstab“, sagte die Victoria-Trainer.