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Lingener Tagespost 16. Dezember 2008

Eine soziale Gastwirtschaft: Rakers in Gersten

bk Gersten.
„Foer miene schwatte Seele!“ oder „Do man in’n Sack!“: Worte, die in der Gaststätte Rakers in Gersten häufig zu hören sind, während das eine oder andere Geldstück der Kneipengänger in die Fußball-Spardose der Wirtsleute Maria und Helmut Rakers wandert.

Seit fast 50 Jahren wird in der Gaststätte Rakers für den guten Zweck gesammelt, seit 2002 geht das Geld an die Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer und wird alljährlich zum Jahresende vom Initiator Franz Rosen persönlich in Empfang genommen. Mittlerweile sind in den Jahren unglaubliche 5570 Euro an Spendengeldern zusammengekommen.
„Hier kann man wirklich von sozialer Gastwirtschaft statt sozialer
Marktwirtschaft sprechen“, so Franz Rosen, der sich immer wieder auf den Besuch bei Maria und Helmut Rakers freut, nicht zuletzt, weil er hier stets die ersten Neujahrskuchen der Saison bekommt. „Ich habe die Wirtsleute, die ihre Gaststätte mit viel Liebe und Herz betreiben, kennen- und schätzen gelernt“, so Franz Rosen, dessen Dank den Wirten, aber auch den Gästen galt, die immer wieder etwas springen lassen.

„Am ersten Weihnachtstag anno 1959 oder 1960, da fing das an mit den Spenden“, konnte sich Helmut Rakers noch gut erinnern. „Wir saßen schon am Mittagstisch, als ein paar junge Burschen an die Kneipentür klopften. Meine Mutter Josefine hat sich dann bereit erklärt, ihnen noch eine Runde Bier zu bringen, aber: „Dann müsst ihr auch was spenden!“

Die Spendenbereitschaft ist bis heute ungebrochen geblieben. „Unsere Gäste sind zu 95 Prozent Stammgäste und gute Freunde“, so die Wirtsleute, die im Februar beide ihren 73. Geburtstag feiern. „Auch die jungen Leute kommen nicht nur gern zu uns, sondern spenden auch gerne“, so Maria Rakers, die darauf verwies, dass die Gäste natürlich auch ein Mitbestimmungsrecht haben, an wen das Geld geht. Daher sei 2004 einmal nicht für die SOS-Kinderdörfer gesammelt worden, sondern für den Gerstener Kindergarten.

„Wenn wir den Fußball am Ende eines jeden Jahre leeren, dann lass ich vorher immer schätzen, wie viel Geld wohl drin ist“, so die Wirtin. „Wer am nächsten dran ist, bekommt ’nen Schluck und ein Bier.“

Auf die Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer sei sie aus der Zeitung aufmerksam geworden, so Maria Rakers, die zuvor das gesammelte Geld jahrzehntelang als Taufspenden für Heimkinder gegeben hatte.

Davon, dass das Geld gut angelegt ist, wusste Franz Rosen zu berichten: „Nachdem wir im afrikanischen Land Mosambik vierzig Häuser und eine Schule sowie weitere elf Häuser in Ecuador, Chile und Lettland errichten konnten, starten wir jetzt ein neues Projekt in Mexiko City. Dort wird ein altes SOS-Kinderdorf neben einem Elendsviertel saniert bzw. wiederaufgebaut.“